Kommerzialisierung im Fußball

Die Diskussion um die Kommerzialisierung des Fußballs hat eine neue Dimension erreicht. Es geht dabei aber nicht um die Fanproteste, sondern um die Reaktion darauf. Mit den Plakaten der Bayern-„Fans“ in Hoffenheim hat sich einmal mehr die Szene deutlich positioniert. Der SAP-Mäzen Dietmar Hopp war erneut das Ziel extremer Anfeindungen und dieses Mal reagierten Liga und Verband schärfer als sonst. Drehen wir die Uhr aber etwas zurück.

Im Jahr 2003 kauft der Russe Roman Abromawitsch den FC Chelsea London. In den fünf anschließenden Jahren steck er knapp 800 Millionen in den Verein. Er bezahlt Transfers, Gehälter und andere Kosten. Und wie es mit Deals üblich ist, hat er dem Verein das Geld nicht geschenkt, sondern hat sich damit auch Macht erkauft. Sein Wort galt als extrem gewichtig, wenn es um Personalentscheidungen ging und geht. Ein ausländischer Geschäftsmann als Stratege eines englischen Fußballvereins. Wir wissen, dass es kein Einzelfall ist, denn es gibt Scheichs hinter Paris St. Germain, Berlusconi beim AC Mailand und Red Bull in Österreich, den USA und teilweise Deutschland. Dieses Szenario ist für viele traditionelle Fußballfans eine Horrorvorstellung. Sie wünschen sich einen reinen, sauberen, ehrlichen Fußball. Das proklamieren sie jedenfalls. Und in Deutschland haben sie das Recht weitgehend auf ihrer Seite.

Die 50+1 Regel besagt, dass ein Verein nur am Profigeschäft teilnehmen darf, wenn er über die Mehrheit an der Lizenzspielerabteilung verfügt. Damit bleibt der Verein am Ende eigenständig und kann nicht fremdbestimmt werden. So eindeutig wie es klingt, ist es aber nicht. Das Schiedsgericht des DFB verwies darauf, dass Mehrheitsbeteiligungen von Investoren rechtlich sind, falls sie über 20 Jahre ununterbrochen und erheblich den Verein gefördert haben. Besonders fallen dann vor allem der VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen auf, die direkte Töchtergesellschaften von Volkswagen und dem Pharmakonzern sind. Die langjährige Verbindung erlaubt daher sogar den Sponsor im Namen zu tragen. Die Werkself und die „Radkappen“ wie sie ungnädig genannt werden, erhalten daher ausreichend Spott in der Bundesliga. Vor allem aber Leverkusen ist mit seiner langen Geschichte insgesamt akzeptierter als andere Teams.

Enter: Dietmar Hopp.

Er ist einer der reichsten Deutschen. Er ist ein großer Sportfan (unterstützt so auch die Rhein-Neckar-Löwen). 1989 entscheidet Hopp, dass sein Verein Hilfe braucht. Sein Verein? Ja, denn Dietmar Hopp hat selbst für die TSG gespielt. Als Junge im Nachkriegsdeutschland stürmte er für Hoffenheim. Mehr als 30 Jahre später, als er mit seiner Softwarefirma reich wird, gibt er viel Geld aus, um aus seinem Heimatverein eine Profimannschaft zu formen. Keine zwanzig Jahre später war sie Herbstmeister der Bundesliga. Ein Aufstieg, der vielen zuwider war, hatte seinen Höhepunkte gefunden (https://www.rnd.de/politik/dietmar-hopp-der-pate-von-sinsheim-C44BBX7LOJACFLNHSMGSUPB5AU.html) Ich finde nicht, dass man Dietmar Hopp ein Denkmal setzen muss, wie Kalle Rummenigge es verlangt, aber sollte durchaus respektieren, dass er seinen Jugendverein unterstützt. Und damit kommen wir zu den Schmähungen und Beleidigungen gegen den Mäzen. Seit langer Zeit ist Hopp das Ziel heftigster Kritik und Beschimpfungen. Das muss unbedingt differenzier werden. Ich halt es für absolut gerechtfertigt, wenn er wegen dieser Finanzspritzen kritisiert wird. Es schwingt immer auch Neid mit, aber ich kann auch von einem romantischen Fußball träumen, in dem es keine reichen Hintermänner gibt. Diese Kritik muss aber fair und konstruktiv und argumentativ bleiben. Wenn diese Menschen Beschimpfungen, Beleidigungen und üble Nachrede auspacken, muss Schluss sein. Und dann ist mein Punkt auch gemacht. Es gibt dem nichts hinzuzufügen, denn so leicht ist es. Christian Streich ist mal wieder Vorbild, denn seine Sprache und Deutlichkeit zeigen einen möglichen Weg. Er kritisiert das Verhalten als gesamtgesellschaftliches Problem und verlangt eine Besserung auf allen Ebenen. Was dort letzte Woche passiert ist, verlangt null Toleranz – aus.

Die Argumente, die dann als Rechtfertigung kamen, zeigen ein fehlendes Verständnis von Struktur. Es sind die trotzigen und patzigen Antworten von Menschen, die ihren Willen nicht bekommen. Dabei sind sie diese Woche kreativ geworden keine Frage. Außerdem haben sie sich solidarisiert, denn am Ende halten sie ganz psychologisch an das Sprichwort: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“ So verbünden sie alle Vereine auf einer Ebene, um den DFB zu beschimpfen. Während auf der einen Seite Vereine wie PSG, ManU oder Barcelona angehimmelt werden, erwartet man, dass der eigene Verein mithalten kann ohne die finanzielle Unterstützung anderer. Das kann ich – aber ich kann dabei auch verblendet bleiben. Die Ultras ziehen mit ihren Argumenten also weiter Kreise, sie verlangen alles Mögliche, um den Sport in ihren Augen zu erhalten. Wenn wir uns die Geschichte aber anschauen, sehen wir, dass er immer Änderungen unterworfen ist. Auswechselungen, Abseitsregeln, Foulspiele und Ähnliches wurden über Jahrzehnte geändert und der Moderne angepasst.

Nach den Ultras kommt nun der DFB. Der ist ebenfalls nicht unschuldig. Bezahlungen der Frauenmannschaften, Kampf gegen Rassismus und mangelndes Durchgreifen bei Verstößen zeigen einen schwachen Verband, der nicht der Lage ist, den Herausforderungen Herr zu werden. Es gibt also genug zu kritisieren – einige Gruppen der Ultras haben das richtigerweise dargestellt. Zudem hat der DFB nicht zu einer Deeskalation beigetragen, sondern wüste Reaktionen hervorgerufen. Beide Seiten haben demnach ihre Pflichten nicht erfüllt und so muss man in die Zukunft schauen, wie soll es weitergehen?

Meine Wahrnehmung ist, dass wir weiterhin die 50+1 Regel brauchen. Vereine müssen unabhängig bleiben, dem stimme ich zu. Und ich erwarte, dass die echten Fans diesem Wunsch Ausdruck verleihen. Ohne Beleidigungen und ohne Schläge unter die Gürtellinie. Wir wissen, die bestimmen Gruppierungen sich daran nicht halten können, sondern sich im lieber Dreck suhlen und daran hochziehen, dass ihnen ihr Wille nicht gegeben wird. Der Fußball wird sich auch weiterhin ändern und entwickeln und es steht mir frei, mich dazu zu äußern. Aber das muss im Rahmen bleiben – und wenn es mal ausfallend wird, muss ich nicht gleich dem anderen ins Gesicht spucken.

Zum Abschluss ein persönliches Fazit. Der Fußball ist vor allem in Deutschland noch die treibende Sportart. Er zählt die meisten aktiven Mitglieder und kriegt die besten Sendezeiten. Nur weil die Fifa ein politisches Einmischen verbietet, heißt das nicht, dass der Fußball unpolitisch sein sollte. Ich verlange vom Sport eine klare Linie. Peter Fischer, Präsident der Eintracht, verweist die AfDler aus seinem Verein, Christian Streich, Trainer des Sportclubs aus dem Breisgau, appelliert an die Menschlichkeit in jedem von uns und hin und wieder sieht man eine Regenbogenfahne im Stadion. All das überwacht die Fifa strenger und vergibt Weltmeisterschaften nach Russland und Katar. Aber das ist ein anderes Thema.

Für heute will ich klargestellt haben, dass es einen Dialog auf Augenhöhe zwischen DFB und echten Fans geben muss, bei dem auf Beschimpfungen von beiden Seiten verzichtet wird und der ergebnisoffen geführt wird. Die Grundsatzfrage wird dann sein – mit der Weltspitze mithalten und Gelder eintreiben oder eine Rückkehr zum alten Geschäft, niedrige Einnahmen, schwächere Spieler und dafür kein Kommerz.

Wie so eine Diskussion endet, wird man dann sehen.

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