Krieg mit dem Iran?

Erstellt am 4. Januar 2020:

Es erscheint, als hätte das amerikanische Militär in der letzten Nacht einen führenden iranischen Soldaten getötet. Allein das ist schon eine gigantische Schlagzeile. Wir stehen also mal wieder davor, einen monströsen Krieg zu erleben. Ähnlich wie mit Venezuela. Oder Nordkorea. Oder Katar.

Der Iran ist nicht damit zu vergleichen. Die neoliberalen Kräfte der USA versuchen, seit Jahrzehnten den Konflikt eskalieren zu lassen. Die islamische Republik im nahen Osten ist dabei nicht das Unschuldslamm. Die Unterstützung terroristischer Organisationen und Provokationen sind allgegenwärtig. Doch mit dem „Joint Comprehensive Plan of Action“ schien eine friedliche Lösung gefunden zu sein. Alle Großmächte, selbst Russland und China haben ihn abgesegnet. Der Iran selbst gab alle Uranvorkommen auf, um teil der Weltwirtschaft zu sein. Mit der Verletzung / Aufkündigung durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten ist ein Machtspiel entbrannt, welches nun zu explodieren droht.

Blicken wir jedoch kurz zurück – 2003 entfachte George W. Bush den zweiten Irakkrieg. Nach wenigen Wochen hatten sich die regulären Streitkräfte der Iraker aufgelöst und ein unerbittlicher Guerillakampf entstand, der in unendlichem Leid von Millionen Menschen mündete. Der Iran ist etwa viermal so groß. Der Iran hat mehr als dreimal so viele Einwohner. Es ist das perfekte Rezept für Desaster – und Millionengeschäften des Militärindustriekomplexes der USA. George Orwell verdeutlich in „1984“ (Empfehlenswert und trauriger Weise realer als man zu träumen wagt):

„The war is not meant to be won, it is meant to be continuous.“

Niemand zielt hier auf einen Sieg ab, denn der dauerhafte Konflikt verschafft den entsprechenden Beteiligten Macht, Bedeutung und Geld. Nein, auch ich habe keine elegante Lösung der Probleme und ich sage nicht, dass es eine schnelle Lösung geben kann – doch eine Frage steht am Anfang aller Überlegungen: Wohin soll das alles führen? Jede Betrachtung muss zu einem Zeitpunkt beginnen und wenn wir annehmen, unsere Beteiligung (die westliche Welt) startet mit dem Krieg zur Befreiung Kuweits, dann spricht die Zeit eine klare Sprache. Seit Ende 1990 sind wir aktiv beteiligt. Dreißig Jahre später ist das Land immer noch in traurigen Zuständen und ich kann keine zukunftsträchtige Entwicklung sehen. Ich unterstütze Hilfe auf vielen Ebenen – sogar im militärischen Sinne – wenn keine andere Lösung vorhanden ist. Nur jetzt stehen wir hier an der Grenze zu einem neuen Krieg, nachdem eine alte Wunde uns seit drei Jahrzehnten verfolgt. Es muss unser aller Ziel sein, diesen Krieg zu verhindern. Dazu zählt vor allem ein europäisches Engagement. Unsere Regierungen müssen sich positionieren und deutlich machen, dass dies keine Handlungsoption ist. Dem orangen Mann im weißen Haus muss gezeigt werden, dass seine Berater falsch liegen, denn Berichte und Bücher aus dem WH legen nahe, dass die leere Schale im Amt nur auf den letzten im Raum hört oder sich an den Medien wie Fox orientiert. No Deal. Das muss von allen Seiten klar werden.

Unsere Hoffnungen liegen dazu ebenfalls auf den Wahlen im November, denn ein Präsident, der Iran Deal erneuert und unterstützt, wäre eine willkommene Abkühlung des Konflikts.

Ein Appell an alle, die mit muslimischen Menschen wenig anfangen können, abgesehen davon, dass es falsch ist, Menschen wegen ihrer Religion zu verurteilen, müssen wir uns vor Augen halten, dass dieses Land Souveränität besitzt. Wir haben diplomatische Möglichkeiten, doch spielen wir es in Gedanken durch. Der Angriff traf einen irakischen Flughafen, dabei starben Zivilisten und hochrangige Militärs des Iran und des Iraks. Wenn am Pariser Flughafen ein Angriff erfolgt und dabei kommen hochrangige Mitglieder unseres Militärs ums Leben – und das mit voller Absicht – wie würde da unsere Reaktion aussehen? Verständnis oder ein pädagogisches „DuDu“? Ich denke nicht. Und nein, auch hier ist die Antwort nicht Krieg – aber es gäbe Konsequenzen, die nun der Iran ziehen und durchführen wird. Eine Eskalation scheint unausweichlich.

Wünschen wir uns, dass das neue Jahr nicht mit erbitterter Gewalt und Krieg startet, wir wollten doch „goldene Zwanziger“ und keine blutroten.

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