Die Rückkehr der Bundesliga

Seit einiger Zeit wird darüber beraten, ob die Bundesliga ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen darf. Vor kurzem hat die Sportministerkonferenz (SMK) ihren Segen gegeben. Zuvor hatte bereits das Arbeitsministerium dem Konzept der DFL zugestimmt. Als Architekt der Rückkehr gilt Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga. Seifert zeigt sich oft und zeichnet ein klares Bild, sollte die Bundesliga bis zum Sommer nicht mehr starten: „Dann wäre die Bundesliga ein Kollateralschaden der Coronakrise“ (https://sport.sky.de/fussball/artikel/wiederbeginn-der-bundesliga-dfl-chef-christian-seifert-aeussert-sich/11977658/33896).

Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund äußert sich seit Wochen ähnlich, er verlangt konsequent, dass die Bundesliga den Spielbetrieb wieder aufnimmt. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, die Politik zu kritisieren und zu ermahnen, so neulich SPD-Politiker Karl Lauterbach (https://www.sport1.de/fussball/bundesliga/2020/04/borussia-dortmund-hans-joachim-watzke-kritisiert-karl-lauterbach). Es ist verständlich, dass der „Macher“ vom BVB seinen Verein finanziell schützen will und so wird immer wieder, auch von Seifert, argumentiert, dass viele Vereine vor dem Ruin stehen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Teams wie der SV Sandhausen und der SC Freiburg tatsächlich schwere Zeiten durchleben. Die Krise stellt vor allem die kleinen Vereine vor immense Herausforderungen.

Wir erleben diese Forderungen tagtäglich in den Medien und es erscheint, als würde es bald eine Entscheidung geben – und mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Bundesliga diese Saison zu Ende bringt. Ich erwarte, dass die Regierung der Sportministerkonferenz und dem Arbeitsministerium folgt und der DFL „grünes Licht“ gibt. Und ich kann es ja verstehen. Ich liebe es, Fußball zu schauen. Ich habe ein Fußballtattoo. Der Fußball ist meine Konstante im Leben gewesen, auf die ich mich immer verlassen konnte. Er fehlt mir wirklich sehr.

Leider können wir uns darauf nicht einlassen. Entscheidungen in solchen Zeiten fällt man nicht nach „Ich vermisse […]“, denn uns allen fehlt etwas, doch derzeit müssen wir Verzicht üben.

Wenn ich mir nun alle Argumente anschaue, dann stimme ich zu, dass es durchaus zur Normalität beiträgt, wenn die Bundesliga läuft, ich bin der Erste, der das zugibt. Was mir aber sauer aufstößt, sind die finanziellen Fragen. Die Deutsche Fußball Liga hat erst in diesem Jahr verkündet, dass sie 4,8 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaft hat (https://www.sueddeutsche.de/sport/dfl-umsatz-waechst-auf-4-8-milliarden-euro-1.4803645). Der BVB erreichte zwar nicht ganz seinen Rekord, verzeichnete aber sein zweitstärkstes Jahr (https://www1.wdr.de/nachrichten/wirtschaft/bvb-geschaeftsbericht-zahlen-dortmund-100.html): Knapp 17,4 Mio. Euro Gewinn. Herr Watzke kann mich gerne belehren und erklären, wohin das ganze Geld fließt, doch es erscheint mir zweifelhaft, nun nach dem Notstand zu rufen, wenn eine Umverteilung der Finanzen eine Möglichkeit der Rettung ist. Ein Gehaltsverzicht hat beim BVB dazu beigetragen, viele Arbeitsplätze zu retten (https://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/bundesliga-stars-verzichten-auf-gehalt-um-verein-und-mitarbeiter-zu-unterstuetzen_id_11809634.html). Wenn die DFL so hohe Umsätze erzielt, sollte es solidarisch denkbar sein, die Liga abzusichern. Eine solche Absicherung sollte nun greifen.

Denn bei meinem Wunsch nach Fußball muss ich dennoch akzeptieren, dass das gesundheitliche Risiko zu groß ist. Vor wenigen Tagen habe ich mich gegen die Öffnung von Schulen ausgesprochen und ich spreche mich auch jetzt gegen die Wiederaufnahme des Ligabetriebs aus. Das Konzept der DFL hat die Politik weitgehend überzeugt und es wird deutlich, dass es detailliert ist. Ihr findet es hier: https://media.dfl.de/sites/2/2020/04/2020-04-23-Task-Force-Sportmedizin_Sonderspielbetrieb_1.pdf. Mit Prof. Tim Meyer haben sie einen echten Experten, der die Task Force geleitet hat. Als Arzt der Nationalmannschaft steht er dem Fußball wirklich nahe.

Zudem weiß ich, dass die DFL 500.000 € zur Verfügung stellt, um dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zu helfen. Dieses Geld wird in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium verteilt. Eine noble Geste und dennoch bleibt ein bitterer Geschmack, für mich zumindest (https://www.dfl.de/de/aktuelles/vereinbarungen-mit-medienpartnern-ermoeglichen-schrittweise-liquiditaetssicherung-in-abhaengigkeit-zum-saisonverlauf-bis-30-juni/). Eine konkrete Verbindung kann man nicht einfach nachweisen, dennoch ist es immer problematisch, wenn kurz vor einer politischen Entscheidung, Geld zur Verfügung gestellt wird. Man sollte sich zurückhaltend äußern, was finanziellen Druck angeht, doch wenn ich alles betrachte, empfinde ich den Fußball nicht als systemrelevant – und er wird womöglich dennoch in Krisenzeiten fortgeführt. In Bezug auf die Schule habe ich die Rolle der Wirtschaft kritisiert und konnte dennoch nachvollziehen, dass das Lernen für Kinder von immenser Bedeutung ist. Ich kann das nicht mit dem Betrieb der Bundesliga gleichstellen. Das geht nicht in meinen Kopf. Während ich also gegen eine Schulöffnung bin, kann ich dennoch verstehen, warum das Konzept eine stufenweise Normalisierung anstrebt. Beim Fußball fällt mir das deutlich schwerer. Vorrangig wird der finanzielle Aspekt genannt, doch dieser überzeugt mich nur in Teilen, wenngleich ich natürlich nicht die komplette Kostenaufstellung habe. Ich bleibe jedoch überzeugt, dass es eine elegantere Lösung gibt, als dauerhafte Tests, Quarantäne, um dann auf dem Spielfeld aneinander zu rasseln. Wenn ein positiver Test erfolgt, soll dieser Spieler herausgenommen werden, aber dann war er zwei Wochen schon in Kontakt. Ich empfinde das wenig überzeugend.

Christian Seifert weiß, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine stehe. Die Sportschau zeigt in einer Umfrage, dass viele Fans sich nicht überzeugen lassen. So sprechen sich satte 90 % dafür aus, dass bei einem positiven Fall im Team die gesamte Mannschaft in Quarantäne muss. Ein Spielen wäre undenkbar. Zudem halten 61 % der Befragten es für zu aufwendig, wenn die Spieler regelmäßig getestet würden. Siehe hier: https://www.sportschau.de/fussball/bundesliga/neustart-bundesliga-umfrage-tests-quarantaene-100.html für die Umfrage. Diese Werte sprechen nicht gerade von einer breiten Unterstützung in der Bevölkerung. Seifert zeigt sich aber als kluger Kopf und bringt daher einen Reformprozess ins Spiel. Wenn ich gerade „Christian Seifert“ google, dann kommen nur Meldungen zum Vorschlag, das Gehalt der Spieler zu deckeln. Eine Idee, die es wert ist, diskutiert zu werden, ehrlich. So schafft er es aber, eine positive Resonanz zu erzeugen, die Schlagzeilen zu ändern und sich weiter zu profilieren. Dies geschieht auch, indem er die Verantwortung an die Politik gibt (https://www.sportschau.de/fussball/bundesliga/entscheidung-bundesliga-minister-merkel-donnerstag-100.html). Er baut den Druck auf die Politik auf.

Morgen trifft sich Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten. Seifert betonte, dass die Politik die letzte Entscheidung fällt – und das ist auch gut so. Wie diese ausfallen kann, habe ich bereits angedeutet. Ob die Strategie der DFL Erfolg hat, wird man bald erfahren. Für alle, die sich gegen eine Fortführung der Bundesliga aktiv aussprechen wollen, setze ich zum Abschluss den Verweis auf eine Petition zum Abbruch der Bundesliga rein.

https://www.openpetition.de/petition/online/bundesligaabbruch-sofort

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