George Floyd

Rassismus ist in den USA immer noch Alltag.

„I can’t breathe.“ (George Floyd)

„Ich kann nicht atmen.“ Die Aussage des getöteten George Floyd erreicht derzeit viel Aufmerksamkeit. Minutenlang bettelte der US-Amerikaner aus Minnesota um sein Leben, bevor er bewusstlos wurde und anschließend verstarb. Verstörende Videobilder aus unterschiedlichen Perspektiven machen klar, dass er ein Opfer der brutalen Polizeigewalt in den USA ist. Ein normaler Mensch kann dieses Video kaum ansehen, da es einem den Atem verschlägt. Die sichtbare Kaltblütig- sowie Gleichgültigkeit der Polizisten ist schockierend.

Und dennoch ist es auch kaum schockierend. Im gleichen Bundesstaat wurde 2016 Philando Castile erschossen. Während einer Verkehrskontrolle teilte er den Polizisten mit, dass er eine Waffe habe, er würde diese aber nicht holen, sondern stattdessen griff er nach seinem Führerschein. Sieben Schüsse aus kürzester Distanz trafen Philando fünfmal. Seine Freundin und ihr vierjähriges Kind sehen mit an, wie er Schritt für Schritt verblutet. Die Freundin Diamond Reynolds streamte den Vorfall live.

https://sz-magazin.sueddeutsche.de/wild-wild-west-amerikakolumne/warum-philando-castile-sterben-musste-83743

Bereits 2014 tötete die Polizei in New York Eric Garner. Mit dem Vorwurf, er würde illegal einzelne Zigaretten verkaufen, sprachen ihn Polizeibeamte an. Eric Garner lehnte eine Durchsuchung ab, daraufhin wurde er festgenommen. Im Laufe der Festnahme nutzen die Beamten den verbotenen Würgegriff, dabei rangen mehrere Polizisten mit ihm, da Eric Garner groß und übergewichtig war. Garner wurde minutenlang zu Boden gedrückt, kurz darauf verstirbt er. Seine letzten Worte: „I can’t breathe.“

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-08/usa-eric-garner-polizist-entlassen-new-york-police-department

Neben der gewalttätigen und brutalen Vorgehensweise eint diese traurigen Vorfälle noch etwas: fehlende rechtliche Konsequenzen. Der Täter im Fall von George Floyd wurde zwar mittlerweile verhaftet und angeklagt, die Beamten in den Fällen Castile und Garner wurden jedoch jeweils freigesprochen. Ähnlich wurde bei den Fällen der Teenager Michael Brown, Tamir Rice (beide 2014) und Trayvon Martin (2012) verfahren.

Dennoch scheint es, als sei ein Wendepunkt erreicht. Seit knapp einer Woche gibt es Ausschreitungen in den USA, weil es den Menschen einfach reicht. Demonstrationen gab es auch nach den anderen Vorfällen. Sympathiebekundungen und Beschwerden von Prominenten gab es auch nach den anderen Vorfällen. Jetzt aber steht die USA im wahrsten Sinne in Flammen. Polizeigebäude, Tankstellen und zu Teilen Autos wurden gestürmt und angezündet. Die Demonstrationen haben sich in gewalttätige Proteste gewandelt. Das bisherige Fazit ist verheerend: Verletzte, Gummigeschosse, brennende Landschaften, Prügel gegen Unbewaffnete und Fahrzeuge, die in Menschenmengen fahren.

Ich möchte verdeutlichen, dass ich Gewalt in keiner Form toleriere und schon gar nicht gutheiße, doch die Frage muss lauten: Wie lange kann man diesen systematischen Rassismus noch ertragen?

Von Gleichberechtigung kann niemand sprechen. Abgesehen von der ständigen Angst, Opfer von Polizeigewalt zu werden, sind die Benachteiligungen in jedem Lebensbereich zu spüren. People of Colour (PoC) sind schlechter ausgebildet, da ihre Schulen oft immer noch weniger staatliche Hilfen erhalten (John Oliver gibt dazu eine interessante Übersicht: https://www.youtube.com/watch?v=o8yiYCHMAlM) Zudem sind sie deutlich eher von Arbeitslosigkeit betroffen. Des Weiteren erhalten diese Menschen in der Regel weniger Lohn – und sind daher besonders häufig arm.

(https://www.zeit.de/wirtschaft/2014-08/schwarze-usa-soziale-ungleichheit/seite-2)

Trotz Aufhebung der Rassentrennung ist die Diskriminierung täglich spürbar.

Es fällt mir wirklich schwer, diese Zeilen zu schreiben, weil die Situation in den USA mir Angst macht. Weder die offensichtliche Tötung von Schwarzen durch die Polizei noch die gewalttätigen Unruhen in vielen Städten können mich überraschen. In was für einer Welt leben wir, in der so etwas der Alltag ist? Ich bin ehrlich gesagt dankbar, dass sogar in der Bundesliga leise Proteste anklingen. Einige Spieler haben am Wochenende bewiesen, dass es uns alle etwas angeht, wenn anderswo Ungerechtigkeit herrscht. Bürgerrechtler Martin Luther King sprach davon, „dass Ungerechtigkeit, egal wo, eine Bedrohung für die Gerechtigkeit überall ist“.

Deshalb verfasse ich diesen Beitrag, da man eingreifen muss, falls man spürt, dass die Situation es verlangt. Nicht nur die andauernden Proteste lassen das Gefühl aufkommen, dass es endlich an der Zeit ist, etwas zu ändern. An erster Stelle stehen Organisationen, die die Rechte der Schwarzen besonders vertreten, eine finanzielle Zuwendung ist immer denkbar, wenn man einen kleinen Beitrag leisten will. Die „American Civil Liberties Union“ ist da weit oben auf der Liste, da diese sich vorrangig für Minderheiten einsetzt und mit einer langen Tradition politisches Gewicht mitbringt: https://www.aclu.org/

Wer keine finanzielle Hilfe leisten möchte, kann auf anderen Wegen helfen. Niemand von uns darf mehr wegschauen. Ich weiß, es ist wahnsinnig schwierig, nicht in den Alltagstrott zu verfallen, aber wir alle müssen uns der Lage bewusst sein. Es ist an der Zeit, sich aktiv mit der Bürgerrechtsbewegung auseinanderzusetzen, um eine gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen. Die Proteste und Unruhen gehen auch uns etwas an und deshalb dürfen wir die Augen nicht verschließen, sondern müssen uns informieren.

https://www.deutschlandfunk.de/50-jahre-afroamerikanische-buergerrechtsbewegung-black.871.de.html?dram:article_id=368635

https://www.bpb.de/apuz/266281/rassenordnung-als-machtordnung-diskriminierung-im-bildungs-und-rechtssystem-der-usa

https://www.tagesschau.de/ausland/rassismus-usa-103.html

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1135504.us-afroamerikaner-und-covid-nur-ein-kleiner-einblick-in-die-rassistische-realitaet-und-ungleichheit.html

https://www.humboldt-foundation.de/web/Haengen-Vorurteile-gegen-Schwarze-und-Polizeigewalt-zusammen-Herr-Calanchini.html

Auf unterschiedlichsten Kanälen findet ihr Informationen, Berichte und Studien zur Situation der Schwarzen in den USA. Viele davon sind erschreckend, deprimierend und fast unglaublich. Falls wir niemals wieder ein Video sehen wollen, welches einen Schwarzen zeigt, der angsterfüllt „I can’t breathe“ sagt, müssen wir tagtäglich eine Wahrheit aussprechen:

Rassismus tötet, darum: https://www.gesichtzeigen.de/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s