Das Monster im Weißen Haus

Es ist der 8. November 2016. Ich sitze mit einem Freund vor dem Fernseher und erlebe im progressiven Netzwerk „the young turks“ (siehe www.tyt.com – „Home of Progressives“) das Horrorszenario, denn Donald John Trump gewinnt die Präsidentschaft. Er gewinnt nicht die Wahl, denn das Electoral College ist ein undemokratischer Trick, um unliebsame Kandidaten zu verhindern (https://www.wiwo.de/politik/ausland/us-wahlsystem-undemokratisch-gleich-sind-die-praesidentenwahlen-nicht/14825678.html). Mich überkommt ein Gefühl der Flucht, ich möchte die Wohnung, das Land, gar den Planeten verlassen. Eine Wahl 6000km entfernt dreht mir den Magen um. In der Schockstarre wandele ich durch die Tage und bin mir dabei nicht bewusst, wie die nächsten vier Jahre werden sollen. Obwohl die Medien seine Regentschaft herunterspielen, kommen starke Zweifel in mir auf, ob das sinnvoll ist. Ich habe das Gefühl, dass das Ergebnis nicht nur vernichtend für die USA ist, sondern auch für den Rest der Welt. In den letzten Jahren hat Trump den Iran-Deal aufgekündigt, das Pariser Klimaabkommen verlassen und stellt regelmäßig die Nato in Frage, insofern betreffen seine Entscheidungen uns alle.

Wie richtig ich gelegen habe, sieht man aber nun im Jahre 2020. Sehen wir von allen Dummheiten ab, die gesagt wurden, bleibt am Ende ein zerbrochener Staat. Jeden Tag erleben wir das Monster im Weißen Haus, welches nicht nur Isolation betreibt, sondern gleichzeitig die eigene Nation spaltet. Es geht dabei um exzessive Gewalt gegen Demonstranten (https://www.theguardian.com/us-news/live/2020/jun/01/george-floyd-protests-donald-trump-white-house-washington-police-brutality-minneapolis-latest-news-updates), Diskreditierung der kritischen Medien (https://www.washingtonpost.com/opinions/2020/03/20/trump-called-media-enemy-people-he-means-it/) und Legitimierung einer faschistischen Bewegung (https://www.washingtonpost.com/politics/2020/05/08/very-fine-people-charlottesville-who-were-they-2/). Die USA, welche sich immer als Leuchten der Demokratie darstellte, verwandeln sich in eine Diktatur. Vergessen sind Blut und Tod des Zweiten Weltkriegs, als eine gesamte Generation ausgelöscht wurde, weil Deutschland den Faschismus in die Welt trug.

Es gibt unzählige Aspekte, die hier behandelt werden könnten, wieso die Amerikaner diesen Weg beschreiten, da die USA mit der Unterdrückung von Minderheiten, der Anhäufung von Geld bei den Reichen und der Militarisierung der Polizei schon seit Jahrhunderten darauf hingearbeitet haben. Mein Fokus liegt dennoch auf Donald Trump.

Trump beschwört seine Anhänger zu höllischen Taten und erwartet nur eines: blinde Loyalität.

Die biografischen Daten sind schnell abgehandelt, geboren als Sohn des Unternehmers Fred Trump, lernt „the Donald“ praktisch nie dazu (https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2019/10/trump-learn-mistakes-ukraine-foreign-intereference/599101/). Während Trump Senior als rassistischer Immobilienmakler (https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0096144219858599?journalCode=juha) ein Vermögen anhäuft, bleibt sein Sohn unfähig, auch nur die kleinste Leistung zu vollbringen (https://www.investopedia.com/updates/donald-trump-rich/). Die Schulnoten werden unter Androhung einer Klage geheim gehalten (https://www.focus.de/politik/ausland/us-praesident-bezeichnet-sich-selbst-als-top-schueler-genie-trumps-ehemalige-schule-soll-noten-vor-der-oeffentlichkeit-versteckt-haben_id_10417174.html). Sowas machen nur wahre Genies. Den Krieg in Vietnam umgeht er, da er behauptet, Knochensporn zu haben (https://eu.usatoday.com/story/news/politics/onpolitics/2018/12/27/trump-vietnam-war-bone-spur-diagnosis/2420475002/), allerdings prahlt Jahre später damit, dass er ja immer sexuelle Krankheiten umgehen musste und das sei sein persönlicher Vietnamkrieg gewesen (https://money.cnn.com/2016/10/14/media/trump-stern-vietnam-stds/index.html). Als Kind im Körper eines Erwachsenen vollbringt er die herausragende Leistung, dass er sechsmal Bankrott anmelden darf – darunter für ein Casino (https://www.thoughtco.com/donald-trump-business-bankruptcies-4152019). Die Antwort, wie so jemand existieren kann, lautet Fred Trump. Hunderte Millionen Dollar gab und vermachte der ältere Trump dem derzeitigen Präsidenten (https://www.economist.com/united-states/2018/10/06/donald-trumps-inheritance). Was er allerdings nie erhält, ist väterliche Liebe. Darin kann man einfach begründen, inwiefern das empathielose Verhalten zu erklären ist. Alles, was er sagt und veranlasst, zielt darauf ab, die endlose Gier nach Bestätigung durch den Vater zu bekommen (https://www.youtube.com/watch?v=jplvfg_qAXo).

Das Ego des Mannes mit dem blonden Heuhaufen auf dem Kopf wurde durch die fehlende Liebe so gekränkt, dass nun jede Handlung nach Verzweiflung schreit (https://www.welt.de/vermischtes/article149321704/Die-zerstoererische-Macht-der-Kraenkung.html). In unseren Augen erscheint der Präsident auch als der „Vorsitzender der freien Welt“, doch derzeit kann davon keine Rede sein. Seine gigantische Unsicherheit, die jedes Kind vor Neid erblassen lassen würde, führt dazu, dass er zu keiner Zeit Verantwortung übernimmt und gleichzeitig mit dem Verhalten eines Primaten Stärke signalisiert. Die Anbiederung an Autokraten wie Putin, Erdogan oder Kim Jong-un beweist, dass Donald Trump keinerlei innerliche Größe, geschweige denn einen moralischen Kompass besitzt, sondern stattdessen kümmerlich im Weißen Haus twittert (https://edition.cnn.com/2019/07/02/politics/donald-trump-dictators-kim-jong-un-vladimir-putin/index.html). Bei diesen Twitter-Tiraden hetzt, schimpft und schreit er in die Unendlichkeit der kabellosen Verbindung der Welt, um seinem Heulkrampf Ausdruck zu verleihen.

Wirtschaftliches Totalversagen und Schwäche ohne Führungsstil als ideale Kennzeichen der Trump-Regierung lassen die Frage offen, inwiefern sich diese unfähigen Kopien von echten Menschen überhaupt an die Spitze der USA hetzen konnten!? Auch hier fällt die Antwort sehr leicht, denn Donnie gibt seinen Wähler das Einzige, was ihnen wichtig ist: Hass. Mexikaner, Linke, Schwarze, Muslime, Transsexuelle fungieren als metaphorisches Löwenfutter, das der orange Mann seinen Wählern zum Fraß vorwirft. Wut, Angst, Unsicherheit und Frust vereinen sich zum Giftcocktail, der dafür sorgt, dass Andersdenkende und Alternative unbeschreibliche Qualen erleiden müssen – und es ist exakt das, was die weißen Männer genießen: Kontrolle und Macht (https://abcnews.go.com/Politics/blame-abc-news-finds-17-cases-invoking-trump/story?id=58912889).

Das jahrelange Anstacheln seines Mobs führt dazu, dass wir nun an einer Kreuzung stehen, weil sich in den nächsten Monaten entscheiden wird, ob das star-spangled Banner einer faschistischen Variante weichen muss. Der „Präsident“ wird aller Wahrscheinlichkeit nach das Ergebnis anzweifeln und nicht lautlos in der Nacht wie John Adams (zweiter Präsident der Vereinigten Staaten, siehe https://www.youtube.com/watch?v=FFy5F6hnq7o) verschwinden, da er ein egozentrischer Narzisst ist, der auch in der Niederlage schreien, beißen und kratzen wird.

Trump hat in 20 Monaten mehr als 10.000x gelogen.

Diese leere Hülle ohne Empathie und Mitgefühl, die sich den Satz „Ich verstehe euch“ auf ein Blatt Papier geschrieben bekommen musste, als er mit den Überlebenden des Schulmassakers in Parkland sprach (https://edition.cnn.com/videos/politics/2018/02/22/donald-trump-parkland-shooting-note-card-i-hear-you-zeleny.cnn), ist auf dem Weg, die Führungsmacht unserer westlichen Allianz in den moralischen Ruin zu treiben, um mit dem Ku-Klux-Klan eine Ära des Schreckens einzuleiten (https://www.spiegel.de/geschichte/ku-klux-klan-und-donald-trump-wie-david-duke-dem-us-praesidenten-applaudiert-a-1163942.html), nur um nicht einmal zuzugeben, dass er auch nur den winzigsten Fehler gemacht hat.

An dieser Stelle würde ich auf das krampfartige Gefühl in der Wahlnacht verweisen und euch Tipps geben, inwiefern wir dafür sorgen können, dass dieser Alptraum niemals eintritt, doch das ist nicht möglich.

Ja, wir können uns engagieren und demonstrieren. Ja, wir können in Parteien politischen Diskurs üben und dafür kämpfen, dass es hier in Deutschland niemals (wieder) so weit kommt, doch wenn ein Land mit 320 Millionen Einwohner in einer Diktatur versinkt, dann können wir nur angsterfüllt über den Atlantik schauen.

Keine Pointe, kein Happy End.

3 Gedanken zu “Das Monster im Weißen Haus

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