Verkehrswende

Ihre Antwort ist Gelächter, als ich Katja Diehl von „She drives Mobility“ (https://katja-diehl.de/) nach der Verkehrswende in Deutschland frage. Katja arbeitet als Beraterin für verschiedene Unternehmen, um das Thema „Mobilität“ zukunftsgerecht zu gestalten. Wir unterhalten uns rege und offen darüber, dass Deutschland weit hinterherhängt, wenn es darum geht, die Zukunft verkehrsgerecht zu planen.

Ein zentraler Punkt dabei ist die Abwrackprämie: 2009 erstmals ausprobiert, zeigte sich bereits 2010, dass die Folgen verheerend waren.

https://www.wiwo.de/unternehmen/abwrackpraemie-erschreckende-bilanz-der-autoverschrottung/5707118.html

Dennoch wurde vor wenigen Monaten erneut darüber diskutiert, so dass man es als Erfolg verbuchen kann, dass dabei am Ende keine konkrete Prämie zustande kam. Diehl spricht dabei von einem Sieg, der gelungen sei, auch wenn die Mehrwertsteuersenkung einen Rabatt für einen Neukauf beinhaltet.

Die Kommunikations- und Unternehmensberaterin aus Hamburg ist überzeugt, dass ein radikales Umdenken stattfinden müsse. Es ginge dabei nicht darum, das Auto abzuschaffen, sondern die Verwendung umzugestalten. Zwar nutzen knapp 75 % der Menschen in Deutschland (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/182654/umfrage/nutzungshaeufigkeit-eines-autos/) das Auto mindestens mehrmals wöchentlich oder gar täglich, jedoch wird es in der Regel nur 45 Minuten pro Tag bewegt – mit meist nur knapp über einer Person.

https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-11/verkehrsverhalten-studie-deutschland-mobilitaet-2017-autos-carsharing-elektroautos

Daraus lässt sich schließen, dass viele Wege des Autos auch anders zurückgelegt werden können – wenn es die Möglichkeiten dazu gibt. Wie kann eine Verkehrswende aber in der Realität aussehen?

Diehl verweist darauf, dass der Schwerpunkt in der Zukunft darauf liegen muss, mehr als nur eine Person gleichzeitig zu transportieren – das sei effektiv und natürlich deutlich nachhaltiger.

Das muss nämlich unser großes Ziel sein: Nachhaltigkeit. Die Abgase und der Müll sind die eine Ebene, aber es geht noch weiter. Autos sind teurer, als wir es uns vorstellen können:

https://www.adac.de/infotestrat/autodatenbank/autokosten/autokosten-rechner/default.aspx

Laut ADAC kostet ein neuwertiger Golf pro Monat 489 €, wenn man dieses Geld freisetzt, kann es sinnvoller und nachhaltiger eingesetzt werden. Auf das Jahr gerechnet sind es knapp 5900 € und sollten diese einspart werden, kann man ohne Probleme eine Bahncard 100 bezahlen, einen e-Scooter anschaffen und ein Fahrrad kaufen. So bin ich deutschlandweit vernetzt und kann zuhause dennoch mobil unterwegs sein.

All das ist möglich, falls die Bahn ähnliche Förderung erhält, wie die Autoindustrie und sich kluge Köpfe um Effektivität Gedanken machen.

Es brauche nun einen Plan und klare Vorgaben, so ist sich Diehl sicher, um die Verkehrswende durchzusetzen, dass sie gelingen könne, sei aber sicht- und spürbar.

Wie können nachhaltige Alternativen aussehen?

Unsere Diskussion kommt so auf e-Scooter, die eine Option im städtischen Bereich sein können, zu sprechen. Nicht alles daran ist perfekt, aber wenn man bedenkt, dass vor allem Frauen es für den Nachhause-Weg nutzen, um Catcalls (siehe „Schluss mit sexueller Belästigung“) zu verhindern und sich sicherer zu fühlen, scheint es, eine echte Chance zu sein. Die Hamburgerin verweist zudem auf Menschen mit eventuellen Lungenkrankheiten, die kein Fahrrad nutzen könnten, die durch e-Scooter ihren Lebensbereich erweitern.

Des Weiteren ist klar, dass der ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) ausgebaut werden muss. In meiner Heimatstadt Hannover ist es bereits jetzt unüblich, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, da „Öffis“ und Fahrradwege ausführlich ausgebaut sind. Woran es fehlt, ist weitere Infrastruktur, denn wir reden nicht nur über Optionen – wir reden von einer neuen Art, zu leben. So sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Unternehmen und Einrichtungen Duschen zur Verfügung stellen, um Personen, die das Rad nutzen, eine Erfrischung zu ermöglichen. Wir reden davon, dass e-Scooter als private Fahrzeuge Abstell- und Auflademöglichkeiten an Straßenbahnen und den Regiozügen bekommen.

Diese Möglichkeiten können wir auch auf dem Land umsetzen, wenn effektiv und strukturiert gearbeitet wird. Viele Unternehmen und Organisationen kümmern sich bereits darum, mehr Fokus auf den ländlichen Bereich zu richten.

https://www.zukunft-mobilitaet.net/kategorie/zukunft-verkehr-auf-dem-land-mobilitaetswende-laendlicher-raum/

https://www.adac.de/verkehr/standpunkte-studien/mobilitaets-trends/mobilitaet-land/

https://www.sueddeutsche.de/auto/mobilitaet-auf-dem-land-1.4755368

Eine Verkehrswende bedeutet damit nicht nur, dass der Staat Optionen schafft, anders ans Ziel zu kommen, sondern vielmehr die Gesellschaft dazu führt, dass die Mobilität der Zukunft eine Selbstverständlichkeit ist, weil eine solche Welt kein Traumgebilde bleiben darf, sondern Realität werden muss – der Zukunft wegen.

Abschließend möchte ich großen Dank an Katja Diehl für dieses Gespräch richten.

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