„Angst vor neuer Flüchtlingswelle in Corona-Zeiten“

Und da haben wir schon das Problem, da die „Deutsche Welle“ hier unpassendes Framing betreibt.

Unsere Sprache ist mächtig und vor allem in der Politik sind Worte Inhalt, weil wir etwas sagen, was dann auch konkrete Auswirkungen hat. Und die Medien spielen als Sprachrohr der Inhalte eine zentrale Rolle, doch was genau ist mein Problem mit dieser Überschrift?

https://www.dw.com/de/angst-vor-neuer-fl%C3%BCchtlingswelle-in-corona-zeiten/a-53142651

Das politische Framing bezeichnet die Form der Rhetorik, in der ein Denkmuster geschaffen wird, indem ich Begriffe verwende, die dieses Muster auslösen (https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/politische-grundfragen/252061/politisches-framing). Wenn hier die Krise als „Welle“ bezeichnet wird, dann projiziert das bestimmte Gedanken in die Köpfe der Leser*innen: Welle, Tsunami und die damit einhergehende Suche nach Schutz.

Angst und das Bedürfnis nach Sicherheit werden durch solche formelhafte Aussage hervorgerufen, so dass viele Menschen bei ausreichender Wiederholung ein Unbehagen spüren. Es ist die unterbewusste Form der Manipulierung, indem ich Nadelstiche der Gefühle wie ein Tattoo und die Haut setze, damit sie nicht mehr verschwinden, sondern uns dauerhaft begleiten. Mit der Verbreitung solcher Frames durch Medien erhält der Begriff eine Legitimierung, die das reflektive Verhalten blockiert, sollte ich das Wort oft genug hören und sehen.

Neben Denkmustern der Angst und Furcht, die vor allem von Rechtsaußen immer wieder evoziert werden, gibt es auch klassische Formulierungen, die sich in Frames eingebrannt haben. Mir stößt dabei immer das Beispiel „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“ auf, weil sie so gewöhnlich sind. Sie begegnen uns den ganzen Tag, werden von allen Seiten des politischen Spektrums verwendet und zeichnen ein verständliches Bild unserer gesellschaftlichen Strukturen, oder?

So leicht ist das nicht, weil auch hier bewertende Raster aufgerufen werden, die uns in Fleisch und Blut übergangen sind.

Aus dem Biblischen kennt man den Vers „Geben ist seliger denn nehmen“ (Apostelgeschichte 20,35), der uns suggeriert, dass es mehr um altruistisches Handeln gehen soll. Man wird dazu aufgerufen, dass egoistisch Motivierte hinten anzustellen und sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Und genau das ist das Bild, welches nun in unserer Wahrnehmung verankert ist. „Arbeitgeber“ sind gütige Akteure, denen wir, die „Nehmer“ zu Dank verpflichtet sind. Aber das kann man pauschal nie im Leben so bewerten, eine Beurteilung des Werts macht sich nicht an Wortpaaren fest, sondern am Beitrag für die Gesellschaft.

Mir ist bewusst, dass es nicht immer einfach zu akzeptieren ist, dass wir solche Muster unser Verständnis der Gesellschaft haben bestimmen lassen und viele Kritiker werden ins Felde führen, dass es doch schon immer so war – und hier liegt der Knackpunkt. Schon seit Jahrhunderten erliegen wir den „Frames“, die unser politisches Verständnis beeinflussen.

Und zum Ende meines Eintrages werdet ihr sagen: „Ja, so wie du haufenweise ‚Frames‘ verwendet hast.“

Damit habt ihr vollkommen Recht, allerdings verurteile ich „Framing“ nicht als solches, es gehört zum sprachlichen Handwerk dazu, jedoch muss ich mir erstmal bewusst sein, was überhaupt gesagt wird. Ihr seid herzlich Willkommen, meine gedanklichen Rahmen zu benennen und dann bitte zu kritisieren, falls ihr sie unangebracht findet.

Daher rufe ich alle Unternehmen, Vereine und Mitmenschen auf, sich explizit mit der Rhetorik auseinanderzusetzen, damit gerissene Redner sich keinen Vorteil schaffen, den wir nicht erkennen, sondern damit wir als Zuhörer*innen entscheiden, welchen Denkmuster wir vertrauen und folgen wollen.

Weiterführung:

Eine Möglichkeit zur Auseinandersetzung ist das Thema des Gutachtens zur Kommunikation der ARD. Elisabeth Wehling, anerkannte Sprachwissenschaftlerin, arbeitete mit dem öffentlich-rechtlichen Sender zusammen, um eine Grundlage für neue Formen der Kommunikation zu schaffen. Das Thesenpapier gelang ungewollt an die Öffentlichkeit und es wird nun diskutiert, ob eine solche Analyse der eigenen Kommunikation durch die ARD demokratiefeindlich sei.

https://www.zeit.de/2019/10/elisabeth-wehling-linguistin-framing-manual-ard-sprache

https://www.sueddeutsche.de/medien/elisabeth-wehling-framing-ard-linguistik-sprachwissenschaft-1.4346478

https://netzpolitik.org/2019/wir-veroeffentlichen-das-framing-gutachten-der-ard/

4 Gedanken zu “Geprächskultur II

  1. Frau Dr. Wehling wurde für einen hohen Preis, fianziert aus Zwangsgebühren, von einer früheren Stasi-Zuarbeiterin, heute MDR-Intendantin, eingekauft um ein „Verarschungs-Handbuch“ (framing [who framed roger rabbit] manual) für die zwangsgebührenfinanzierten Anstalten zu verfassen.
    Die Dame ist „Visiting scholar“ an der University of California in Berkeley. Was dieser Status bedeutet läßt sich einfach auf der website der Universität ergoogeln.
    „International tätige, forschende, lehrende und weltweit anerkannte Sprachwissenschaftlerin“ ist wohl eher Framing in eigener Sache. Faschistoide Sprach- und Denkanweisungen wie „Kontrollierte Demokratie statt jeder wie er will.“ (Framing manual für ARD S. 85) sind jenseits aller Tolerabilität.

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    1. Ich verstehe die Kritik, wenn gleich ich sie nicht in diesem Ausmaß teile. Die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ist durchaus zu überdenken, ich sehe hier aber noch keine Basis für diese Verurteilung. Insgesamt müssen wir uns aber genauer mit Sprache beschäftigen, um zu verstehen, was eigentlich einzelne Frames hervorrufen.

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  2. Was DW da in der Überschrift gemacht hat, würde ich m.E. nicht als politisches Framing bezeichnen. Beim politischen Framing geht es darum, Teilaspekte eines komplexen Gegenstandes mit ner gewissen Intention zu betonen. Ein gutes Beispiel war dafür die gesamte Kontroverse ums ACTA, die in den verschiedenen Lagern (Netzbürger*Innen vs. Lobby) unter unterschiedlichen Gesichtspunkten (Rechtliche Unsicherheit im Lager der ACTA-Gegner*Innen, Schutz der Wirtschaft auf Lobbyseite) ausdiskutiert wurde. Im Prinzip sind politische Framing-Strategien ein Mittel, aus ner Diskussion ein thematisches „Heimspiel“ zu machen. Wie gesagt: ACTA ist hier ein Musterbeispiel zur weiteren Lektüre für jeden Interessierten und wird dafür auch in PoWi-Seminaren besprochen.
    Würde spontan auch die Etymologie der Begriffe „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“ nicht auf Framing zurückführen, aber da kann man bestimmt noch länger drüber grübeln und zu einem anderen Ergebnis kommen.
    Der Begriff „Flüchtlingswelle“ ist übrigens ein Dysphemismus. Von dort aus hast du mit dem Beitrag absolut Recht. So ein sensibles Verständnis von Sprache muss m.E. viel lauter verbreitet werden. Stattdessen regen sich echte Almans aber lieber darüber auf, wie schlecht sich doch durchgegenderte Texte läsen und das man den Unsinn doch mal endlich bleiben lassen könne.

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