Politik auf der Speisekarte

Gestern war ich im Brauhaus von Hannover und habe mein Schnitzel gegessen, als sich ein Gedanke weiter verschärfte, den ich seit einigen Tage im Kopf wälze: Essen gehen und Politik sind gar nicht so verschieden. Klar, das deftige Festmahl im Lieblingsrestaurant lockt mehr Menschen hinter ihrem Ofen hervor als die kommende Kommunalwahl, aber dennoch erkenne ich da Strukturen, die zum Verständnis hilfreich sind.

Auf der simplen Ebene halten wir fest, dass Essen lebensnotwendig ist – und Politik allgegenwärtig. Nicht direkt eine Übereinstimmung, aber es ist doch so, dass wir uns täglich mit Essen auseinandersetzen, ebenso wie wir es mit der Politik machen. Dazu muss ich nicht ständig Phönix oder NDR Info sehen und hören, denn ich kann Politik auch auf persönlicher Ebene nicht vermeiden: eigener Bildungsweg, Wohnungskosten, Medienkonsum oder Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt. Ständig beschäftigen wir uns mit den konkreten Auswirkungen der Politik. Dabei reden wir noch gar nicht über die aktuelle Pandemie, die die Bevölkerung in Atem hält.

Wieso aber gleicht die Politik einem Gang ins Restaurant?

Meistens trete ich den Gang dorthin nur an, wenn es einen entsprechenden Anlass wie Geburtstag (Wahlen) gibt, ich mich mit Freunden oder Partnern (Politische Willensbildung) verabrede oder das Angebot einfach unwiderstehlich ist. Damit sind wir bereits an der Cremefüllung der Sache angelangt, die derzeitige Partizipation gleicht eher dem Essen bestellen am Sonntag, wenn ich zu faul bin, selber zu kochen.

Gleichzeitig bietet der Aspekt des Angebotes auch einen Einblick in unsere Politikverdrossenheit, denn kaum jemanden reißt die momentane politische Landschaft vom Hocker. Die Nazis von der Alternative bedienen nur die, denen das Essen nie schmecken würde und die GroKo serviert seit sieben Jahren den gleichen Brei, der zwar alle Nährstoffe beinhaltet, aber bei dem man nicht weiß, wie er zubereitet wird (Intransparenz) und auf den Geschmack achtet keiner der Köche (Inkrementalismus).

Um diese traurige Situation zu verändern, wünsche ich mir eine politische Speisekarte, die auf die Bedürfnisse unserer heterogenen Gesellschaft eingeht, denn so unterschiedlich die Geschmäcker, so unterschiedlich die Ideen einer funktionierenden Demokratie.

Ich sehe die Verantwortung aber bei uns, den Parteien, Angebote zu machen, da auch niemand ins Restaurant geht und vorschlägt, was gekocht werden soll. Stattdessen tendiere ich in eine politische Richtung und erwarte, dass die Küche mir das Entsprechende präsentiert. So sollte es auch hier sein.

Auf der einen Seite muss deutlich gemacht werden, was da in der Küche passiert, deshalb brauchen wir ein Lobbyregister. Es muss für alle sichtbar sein, wer am Prozess der Gesetzgebung beteiligt ist. Fehlbesetzungen wie die Suppenkasper Scheuer und Seehofer müssen entlassen werden, damit teure Zutaten nicht verschwendet werden und überprüft werden kann, warum die Kellner ins Essen spucken.

Auf der anderen Seite brauchen wir ein Menü, das den Menschen den Glauben an den Geschmack zurückbringt. Lange genug haben wir unser Gemüse runtergeschluckt, so dass es Zeit ist, die politische Ernährung umzustellen:

#Grundeinkommen

#Günstiger ÖPNV

#Bürgerversicherung

#Reichensteuer

https://newsportal.koeln/politik/reichensteuer-olaf-scholz-will-mehr-steuern-ab-200-000-euro/

https://www.vorwaerts.de/artikel/reichensteuer-fordern-selbst-reichen-hoehere-abgaben

https://www.theguardian.com/news/2020/jul/13/super-rich-call-for-higher-taxes-on-wealthy-to-pay-for-covid-19-recovery

https://www.bpb.de/izpb/147061/grundsaetze-der-steuerpolitik

Die politische Agenda muss Appetit machen, damit die Menschen endlich wieder am politischen Prozess teilhaben und dann auch ihre Meinung nicht nur kundtun, sondern dazu auch an Lösungsvorschlägen arbeiten.

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