Im Licht des Weihnachtsbaumes sitze ich auf dem Sofa und die Gedanken schweifen. Mit dem Jahreswechsel ist es üblich, dass wir zurückblicken, um voller Stolz oder Wehmut auf die genutzten und vergebenen Chancen zu blicken. Die Zeitrechnung mag voranschreiten und doch versuchen wir immer wieder, unser Leben zyklisch zu gestalten. Unser gesamtes Leben ist getaktet und bestimmt durch immer wiederkehrende Ereignisse.

Jahre wie diese zeigen uns, dass nicht alles geplant werden kann, denn das Leben ist chaotisch, unstrukturiert und unvorhersehbar. Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir uns nach Ordnung und Routine und Systematik sehnen?

Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut, denn es ist beispielsweise jedes Mal eine Überwindung für mich, einen neuen Film zu schauen („Star Wars“ ist eine Ausnahme, das ist just amazing) oder eine Serie anzufangen, denn das routinierte Wissen in mir bekannten Stories gibt mir Ruhe und Gewissheit. Die Serie „friends“ schaue ich zum 100. Mal, weil es eine „feel good soap“ ist und ich weiß, was wann passiert. Anfangs war es seltsam, diese Neigung entwickelt zu haben, da es als Jugendlicher überhaupt kein Thema war, Neues zu schauen, doch mit der Zeit vertraute ich immer weiter auf Bekanntes.

Dennoch habe ich diese Jahr ein Abenteuer begonnen, über das ich zum Jahreswechsel doch etwas reflektieren will. Vor gut zwölf Monaten war das Fass übergelaufen und ich musste mich mehr engagieren, ich musste den inneren Drang freilassen und mich am politischen Leben beteiligen – und keinen Moment zu früh, denn im Februar bestätigte mich das Debakel in Thüringen in meinen Zielen.

Archiv: Der politische Schandfleck in Thüringen

So schrieb und twitterte ich vor mich hin und fand tolle Gesprächspartner. Und politische Gegner. Die Pandemie hat uns die hässlichen Fratzen der empathielosen Mitmenschen vor Augen geführt, so dass wir uns umso stärker einbringen müssen. Mit diesem Wissen begann ich, meine kleine Welt zu öffnen und in Kontakt zu treten, soweit es möglich gewesen ist.

Über Skype habe ich mit der engagierten Fabienne Freymadl über Sexualität und die Bedeutung unserer Identität diskutiert.

Damals war es im Gespräch, Sexarbeit gänzlich zu verbieten, nicht nur während der Pandemie einzuschränken. Da ich es als Selbstbestimmung verstehe, wenn Menschen freiwillig Sexarbeit anbieten, unterstütze ich die Regulierung und Entstigmatisierung, um Sexarbeiter:innen in die Gesellschaft stärker einzugliedern. Mehr dazu unter:

https://polit-menu.org/2020/06/24/kein-sexkaufverbot/

Die offene, direkte und engagierte Art unseres Gespräches hat mich so motiviert, dass ich einfach weiter Menschen angesprochen habe und tatsächlich in regen Austausch treten konnte.

In wundervoller Erinnerung ist mir so das erste Gespräch mit den CatCallsOfHannover-Aktivistinnen geblieben, bei dem wir uns ausgiebig ausgetauscht und unterhalten haben. Eine vielseitig interessierte Freundin hatte mich dankbarerweise auf die wichtige Arbeit hingewiesen. Ich war so begeistert und beeindruckt, dass wir später sogar eine gemeinsame Podcast-Folge aufgenommen haben.

https://polit-menu.org/2020/07/07/schluss-mit-sexueller-belastigung/

Danke für eure großartige Arbeit!

Ein anderes Highlight war nun vor kurzem, als ich den Beauftragen gegen Antisemitismus des Landes Baden-Württemberg, Dr. Michael Blume, begrüßen durfte und wir eine rege Diskussion über gesellschaftliche Teilhabe und die Rolle der Religion im Staat hatten.

Ich habe viel gelernt und bin wahnsinnig dankbar, dass ich dieses Interview führen konnte.

Im Herbst hatte ich damit nicht nur eine kleine Seite, auf der ich meine Gedanken teile, sondern 500 Follower auf Twitter, Gespräche mit Aktivist:innen und mittlerweile insgesamt neun Podcast-Folgen und dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin wahrlich etwas stolz auf das bisher Erreichte und habe schon konkrete Themen und Ideen für das kommende Jahr – und mein Gefühl möchte ich euch auf den Weg geben.

Die Zeit, sich politisch zu engagieren, ist jetzt. Vor uns liegen globale Herausforderungen und Hindernisse, die wir nur gemeinsam lösen können, denn wir sind Teil einer Gemeinschaft, die zusammenstehen muss. Nutzen wir deshalb den Jahreswechsel, um dunkle Gedanken ein Stück weit zu vertreiben und das Licht der Hoffnung weiterzutragen.

Dieses Licht kann viele Gestalten und Formen annehmen: Ein Lächeln, eine nette Geste, ein Vergeben, einmal mehr Zuhören, eine tröstende Schulter – oder Engagement auf gesellschaftlicher Ebene, es gibt so viele tolle Kampagnen, Initiativen und Organisationen, die unterstützenswert sind und ich wünsche euch neben Gesundheit, dass ihr Kraft und Lust habt, euch zu beteiligen:

https://www.greenpeace.de/

https://www.germanzero.de/

https://www.oxfam.de/

https://www.mensch-in-germany.org/

und viele mehr.

Bleibt stark, zuversichtlich und gesund! Wir sehen uns im neuen Jahr.

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