Brief an G.H. Tonne

Lieber Herr Kultusminister Tonne,

dieser Brief erreicht Sie, um meinen Gefühlen auf einer persönlichen und professionellen Ebene Ausdruck zu verleihen. Niemand beneidet Sie angesichts der aktuellen Herausforderungen während der Pandemie, die unsere Schwächen im Bildungs- und Verteilungssystem schonungslos aufgezeigt hat.

Zuerst möchte ich mich dafür bedanken, dass Sie regelmäßig Kontakt zu uns aufgenommen haben, indem Sie sich schriftlich zur aktuellen Lage und den Plänen des Ministeriums geäußert haben. In diesen Briefen haben Sie stets betont, welch wichtige und schwere Arbeit wir Lehrer*innen leisten, indem wir über den üblichen Aufwand hinaus, uns um Schüler*innen und Eltern kümmern.

Umso erstaunter mussten wir diese Woche erfahren, dass trotz der Vorgabe, den Präsenzunterricht unter bestimmten Voraussetzungen auszusetzen, diese Entscheidung nach hinten verschoben wurde. Gleichzeitig werden die Ziele der Testkapazitäten nicht erfüllt.

Wir stehen damit in dieser Woche vor Schüler*innen, denen die Tests erst spontan in Einzelteilen (!) ausgehändigt werden können, die offizielle Vorgabe zum Inzidenzwert wird ignoriert und außerdem sind wir Lehrkräfte nicht geimpft. Tagtäglich erleben wir, wie unsere Schulleitung versucht, das Bestmögliche zu erreichen, allerdings werden grundlegende Entscheidungen woanders getroffen.

Deshalb richte ich diese Bitte direkt an Sie, die Maßnahmen noch einmal zu überdenken und sich darauf zu besinnen, was uns wirklich am Herzen liegt: das Wohl der Schüler*innen.

Aus pädagogischer Sicht erscheint es deutlich wichtiger, dass Kinder und Angehörige gesund bleiben – dazu benötigen diese Tests, klare Strukturen und Vorbilder, die vorleben, wie es funktioniert. Es geht nicht darum, Erfahrungen aus Anekdoten hervorzukramen, sondern vielmehr um den aufgestauten Frust und das vorhandene Unverständnis über die aktuelle Situation.

Objektiv beurteilt kann derzeit kein Normalzustand erreicht werden und das langwierige Gezerre und Wechseln macht es unmöglich, die optimalen Leistungen zu erreichen, weshalb ein Umdenken und Handeln imminent notwendig ist.

Abschließend möchte ich erneut darauf verweisen, dass uns allen Ihre schwierige Lage bewusst ist, unterschiedlichste Bedürfnisse zu erfüllen, doch das letzte Jahr belastet nicht nur Eltern und Kindern, sondern auch uns Lehrkräfte, so dass uns nur die Möglichkeit bleibt, unsere Emotionen und Gedanken gezielt an Sie zu richten.

Ich lade Sie zudem ein, mit mir und meinen Kolleg*innen in den Austausch zu treten, um eventuelle Entscheidungen noch transparenter und direkt mitzuteilen. Sie erreichen mich dafür über die angegebene Emailadresse.

Ich verfasse diesen Brief in der Hoffnung, dass transparente Maßnahmen (z.B. Inzidenzwert) ergriffen werden und diese dann auch konsequent eingehalten werden.

Ich verfasse diesen Brief in der Hoffnung, das Abitur durchgeführt werden kann, indem die Schüler*innen eine Testpflicht wahrnehmen – dies gilt vor allem bei der Aussetzung der Maskenpflicht.

Ich veröffentliche diesen Brief in der Hoffnung, dass Sie unsere Sorgen ernst nehmen und handeln.

Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen

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